„Es ist nicht schlimm Hinzufallen, man muss nur wieder Aufstehen können!“
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Karl-Heinz Krebs -
8. März 2024 um 08:25 -
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Vor 50 Jahren gelang Berlins erfolgreichster Eiskunstläuferin Christine Errath (67) ihr größter Triumph, der WM-Titel von München. Nach dramatischem Kür-Verlauf siegte sie am 8. März 1974 gegen die US-Amerikanerin Dorothy Hamill. Heute lebt Christine Stüber-Errath mit ihrem Mann in Wildau im Landkreis Dahme - Spreewald. Das Jubiläum fällt symbolischer Weise genau auf den Internationalen Frauentag. Christine Stüber-Errath wird in der Wildauer Stadtbibliothek am 8. März 2024 um 18 Uhr über ihre verrückte Lebenskür berichten, historische Filmausschnitte zeigen und spannende Geschichten erzählen. Eine starke Frau, die oft kämpfen musste und den Mut nie verloren hat.
Weltklasse auf dem Eis und später Extraklasse im richtigen Leben: So ist Christine Stüber-Errath - Berlins erfolgreichste Eiskunstläuferin aller Zeiten - vielen in Erinnerung. Erst Champion auf Kufen, danach die beeindruckende Lebenskür als Journalistin, Moderatorin und zweifache Mutter. DDR-Meisterin, dreifache Europameisterin und Olympiabronze stehen auf ihrem Tableau. Doch der größte sportliche Erfolg der Urberlinerin war ihr WM-Titel von München 1974 - mit erst 17 Jahren! Am 8. März jährt sich der Gewinn ihrer Goldmedaille zum 50. Mal. Dieser Triumph war alles andere als selbstverständlich, auch wenn Christine nur einige Wochen zuvor Europameisterin wurde. „Es war die Zeit, in der es zwei deutsche Staaten gab und diese WM in München hatte eine gewisse politische Brisanz, denn ich musste auch gegen die Münchnerin Gerti Schanderl antreten. Entsprechend groß war der Medienrummel und das war für mich als Siebzehnjährige Ostberlinerin eine zusätzliche Herausforderung“, blickt die Ausnahmesportlerin zurück.
Das große Abenteuer beginnt, als Christine Stüber-Errath die Olympiahalle von München das erste Mal betritt. „Das war atemberaubend: Eine Halle mit einem Fassungsvermögen von über 15.000 Zuschauern. So etwas gab es im Eiskunstlaufen damals nur in Amerika. Und die Favoritin Dorothy Hamill kam ja aus den USA. Schon in den Tagen vor der Kür bemerkte ich, dass überall in der Halle kleine Sticker mit dem Konterfei von Dorothy verteilt wurden. 'Love Dorothy' konnte man darauf lesen. Sehr viele Fans trugen den Anstecker dann auch. Das hat mich ganz schön verunsichert und nervös gemacht. Wie sollte ich junges Küken in diesem Spannungsfeld bestehen?“
Doch „die Kleene aus Hohenschönhausen“ hatte damals Fans in aller Welt. Auch in München! So erlebt die Eiskunstläuferin einen überraschend warmherzigen Applaus, als sie das Eis betritt. Der Start ihrer Kür ist allerdings ein Schock. Christine stürzte beim 3-fachen Toeloop, den sie noch kurz zuvor bei der EM in Zagreb als eine der ersten Frauen der Welt wagte und auch stand.
„Der Dreifache kam gleich an zweiter Stelle in meiner Kür. Doch trotz des Fehlers ließ ich mich nicht unterkriegen, es gelangen alle weiteren Sprünge, darunter auch der schwierige Doppel-Axel. Mein Kampfgeist wurde mit dem WM-Titel belohnt und es ist auch noch symbolisch, dass ich in meiner Kür zu der Musik "The impossible Dream" (Der unmögliche Traum) lief. Da kommen mir heute noch Tränen der Rührung." Nach der Kür fliegen für die Siegerin Blumen aufs Eis und die Herzen der Menschen eroberte sie im Sturm.
„Es ist nicht schlimm Hinzufallen, man muss nur wieder Aufstehen können! Das habe ich mit meiner Münchner WM-Kür bewiesen und das trage ich wie ein Mantra vor mir her. Auch wenn man strauchelt, kann am Ende alles gut werden. Nur aufgeben darf man nicht."
Das ist die Devise, mit der sich Christine Stüber-Errath in so mancher Lebenskrise immer wieder nach oben kämpfte. So kann sie heute auf eine erfolgreiche Karriere als Journalistin, Moderatorin von „Außenseiter – Spitzenreiter", als Autorin (z.B. Meine erste 6,0") und sogar als Mitwirkende in dem berührenden Kinofilm "Die Anfängerin" zurückblicken.